Trennung und Scheidung während COVID-19

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Trennung und Scheidung während COVID-19

Spezielle Zeiten verlangen spezielle Hilfe

Kennen Sie jemanden, der gerade eine Trennung oder gar eine Scheidung erlebt? Solche lebensverändernde Ereignisse sind schon unter normalen Umständen sehr schmerzhaft. Doch Schluss machen während der Quarantäne, ist noch viel schlimmer.

Menschen, die gerade durch eine solche schwierige Lebensphase gehen, durchleben die unterschiedlichsten Gefühle. Doch einige haben dabei ein schlechtes Gewissen, dass sie traurig über ihren persönlichen Verlust der Beziehung sind, während Menschen wegen dem Coronavirus gleichzeitig ihr Leben verlieren. Sie haben Schuldgefühle und finden es falsch, ihre Mitmenschen um Unterstützung zu bitten.

Doch Schmerzen werden individuell erlebt und sind nicht vergleichbar. Jeder Herzschmerz, jeder Liebeskummer verdient Aufmerksamkeit und Menschen, die darunter leiden, verdienen Unterstützung. Vielleicht haben diese bis zuletzt gehofft, eine Möglichkeit zu finden, die Beziehung zu retten in der Isolation. Dies hat nun nicht geklappt und der Schock ist groß.

Sie sind jetzt am Boden zerstört und sitzen alleine zu Hause. Schluss machen während der Quarantäne verstärkt das Gefühl der Einsamkeit. Die einzige Kommunikationsmöglichkeit und die einzige Verbindung zur Außenwelt ist vielfach online, häufig über soziale Medien. Da besteht aber die Gefahr, dass die verlassene Person über einen Post oder einen Beitrag des Ex-Partners stolpert, im schlimmsten Fall mit dessen neuer Beziehung. Solche Konfrontationen machen es genauso schwer, über eine zerbrochene Beziehung hinwegzukommen, wie persönliche Begegnungen.

Wer im Moment das Gefühl hat, nicht um Unterstützung bitten zu dürfen, weil es sich ja “nur” um Liebeskummer handelt, leidet noch mehr unter der Einsamkeit und der momentanen Isolation. Das persönliche Netzwerk und der Freundeskreis sind oft mit dem des früheren Partners verflochten. Mit der Trennung geht auch ein Teil dieses Beziehungsnetzes verloren. Hinzu kommt die Unsicherheit, mit wem noch weiterhin Kontakt gepflegt werden kann. Das verschlimmert den erlittenen Verlust zusätzlich. Die Beziehung zu retten in der Isolation hat nicht funktioniert. Nun ist die betroffene Person alleine und durch die Pandemie zusätzlich isoliert. Vorbei die Zeit zu zweit mit einem funktionierenden Freundeskreis.

Ein weiteres schmerzhaftes Element von Trennungen und Scheidungen ist, dass gemeinsame Pläne begraben werden müssen. Durch die globale Pandemie kommt zu den verlorenen Lebensplänen ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazu. Was vorher bekannt und geplant war, ist mit einem Mal unbekannt. Plötzlich ist der Betroffene auf sich alleine gestellt. Da ist es normal, dass so mancher von Zukunftsängsten geplagt wird.

Eine normale Bewältigungsstrategie nach einer schmerzhaften Trennung ist “rausgehen”; Mit Freunden ausgehen, sich eine Massage gönnen oder Frust-Shoppen sind bekannte und beliebte Ablenkungen. Doch eine jetzige Trennung oder Scheidung während der Ausgangssperre machen solche Pläne zunichte. Die frisch Getrennten können und dürfen sich nicht mit solchen Dingen beschäftigen. Auch so weitermachen wie vorher, ist durch den eingeschränkten persönlichen Kontakt schwierig. Eine weitere wichtige Trennungsbewältigungsstrategie ist eine neue Beziehung eingehen und neue Erinnerungen schaffen. Während der jetzigen Quarantäne ist auch das fast unmöglich.

Personen mit gebrochenen Herzen während der Coronakrise zu unterstützen ist wichtig. Mit folgenden fünf Dingen kann ein Freund, eine Freundin oder ein geliebter Mensch mit Liebeskummer in der jetzigen Zeit unterstützt werden.

Der erste Punkt ist zuhören: und zwar mit offenem Herzen und ohne zu sagen, was er oder sie zu tun hat. Es ist wichtig, kein Urteil abzugeben und keine Ratschläge zu erteilen. Sich in den Freund hineinzuversetzen ist viel wichtiger.

Sagen Sie Ihrem Freund, Ihrer Freundin, Dinge wie:

– “Du bist verletzt. Ich wäre es auch. Was geschehen ist, ist nicht in Ordnung.”
– “Du bist sauer auf dich selber, weil du sie / ihn zurück haben willst. Ich verstehe, dass das verwirrend ist.”
– “Du fühlst dich wie weggeworfen. Ich verstehe dich. Es ist ein schreckliches Gefühl.”

Dem Freund, der Freundin zuhören, wenn er oder sie über die Gefühle spricht, ist wirksamer, als sofort Ratschläge zu erteilen. Wenn er / sie sich verstanden fühlt, ist das Gefühl des Alleinseins nicht so groß. Er oder sie fühlt sich mit der Person, die ihn oder sie versteht nahe und fühlt sich nicht mehr ganz so alleine.

Wer sich von einer zerbrochenen Beziehung erholt, fühlt sich zuerst verwirrt und hin- und hergerissen. Wenn Sie sich also in die Gefühle des/der Verlassenen einfühlen, fühlt sich dieser verstanden und “normal”. Die verschiedenen Emotionen, die bei einer Trennung durchlebt werden, können Wut, Verwirrung, Bedauern, Schuldgefühle, Trauer, Akzeptanz sein. Machen Sie sich mit diesen Emotionen vertraut und ermutigen sowie beruhigen Sie Ihr Gegenüber.

Die zweite Sache, die Sie tun können: Lenken Sie Ihren Freund, Ihre Freundin ab und werden Sie kreativ. Die Möglichkeiten sind auch bei einer Trennung oder Scheidung während der Ausgangssperre unendlich. Kaufen Sie gemeinsam online ein, spielen Sie Online-Spiele, schauen Sie Netflix über FaceTime. Kontaktieren Sie Ihren Freund, Ihre Freundin regelmäßig, stellen Sie dabei aber sicher, dass er/sie weiß, dass eine Antwort nicht notwendig ist. Zu sagen: “Hey, ich denke an dich und wollte nur, dass du es weißt” reicht völlig aus.

Das dritte, was Sie tun können, ist, Ihren Freund, Ihre Freundin zu ermuntern, an die Zukunft zu denken und etwas für diese zu tun. Sei es, sich in einer Theatergruppe anzumelden oder ein eigenes Online-Geschäft zu eröffnen. Egal, was auch immer Ihr Freund, Ihre Freundin für Talente hat. Ermuntern Sie ihn / sie, diese zu nutzen.

Die vierte Sache, die Sie für Ihre Freundin, Ihren Freund tun können, ist, Chats in sozialen Gruppen zu ermöglichen, denen er/sie normalerweise nicht angehören. Starten Sie beispielsweise einen Gruppenchat mit alten Freunden oder Bekannten und laden Sie ihn / sie dazu ein. Seien Sie behilflich, das soziale Netzwerk zu vergrößern. Wenn er / sie das aber nicht tun will, haben Sie auch dafür Verständnis. Vielleicht ist es noch zu früh für ihn / sie für neue Kontakte.

Und zuletzt: Bringen Sie Ihren Freund, Ihre Freundin außer Haus. Gehen Sie gemeinsam spazieren. Bei einem Spaziergang am Wasser oder auf einem breiten Wanderweg können Sie beide die soziale Distanz wahren. In der Natur zu sein und sich zu bewegen, setzt Endorphine frei und reduziert Angstzustände. Ein ebenso hilfreicher Stimmungsaufheller ist Lachen: Wie die Natur werden Endorphine auch durch Lachen freigesetzt und reduziert Depressionen. Das Teilen von witzigen Zeichnungen oder Filmchen kann die Stimmung aufhellen.

Es ist wichtig, in dieser schwierigen Zeit für einander da zu sein. Menschen zu unterstützen, die besonderen Zuspruch während der Coronakrise benötigen, kann jeder. Nach dieser schwierigen Zeit könnte die Welt ein besserer Ort sein. Nehmen Sie sich die Zeit, fühlen Sie mit und unterstützen Sie Ihre Mitmenschen.

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