Kritisches Denken beim Homeschooling fördern – 3 Aspekte der Bewusstseinsschulung

Agni
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Kritisches Denken beim Homeschooling fördern - 3 Aspekte der Bewusstseinsschulung

Deutschlandweit wurden Schulschließungen während Corona angeordnet. Dadurch sind viele Eltern gezwungen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten. Das sogenannte Homeschooling (Heimschule) kann dabei auch als Chance gesehen werden, Kinder und Jugendliche zu reflektiertem, selbstkritischem Denken zu befähigen und sie gegen Hass und Hetze zu immunisieren. Worauf es dabei ankommt und warum dies heute nötiger denn je ist, wird in diesem Artikel erläutert.

Hasardeure, Populisten, Provokateure – eine Gefahr für die Jugend

In unserer Gesellschaft greift die sogenannte Hasskultur mehr und mehr um sich. Zu den Hasardeuren werden hier Personen gezählt, die andere on- oder offline emotional provozieren, unwahre Aussagen treffen, Konflikte innerhalb der Gemeinschaft schüren und damit Schaden anrichten. Populisten, Volksverhetzer, Menschen, die keine alternative Meinung zulassen oder andere emotional runtermachen, aber auch Mitläufer, die sich deren Argumente zu eigen machen und weiterverbreiten, blasen in dieses Horn.

Für eine offene, demokratische Gesellschaft kann das den Untergang bedeuten. Ansichten stehen sich unreflektiert gegenüber, Gegenargumente werden abgewiegelt, Fronten verhärten sich, Kompromisse sind kaum mehr möglich.

Die Gefahr für unsere Heranwachsenden besteht nun darin, derartige Verhaltensweisen nachzuahmen und letztlich zu übernehmen. Bis zu einem gewissen Maß ist das normal. Besonders während der Pubertät befinden sich ihre Gehirne in einem Standby-Modus. In dieser Phase suchen sie vor allem Bestätigung und grenzen sich gegenüber Kritik massiv ab. Hinzu kommt, dass heutige Kinder und Jugendlichen viel Zeit im Internet verbringen und dort immer wieder mit populistischen, hetzerischen Beiträgen, Anti-demokratische Theorien und Fake-News aller Art konfrontiert werden. Wie also stärken wir unsere Heranwachsenden im Umgang damit?

Lehren und Lernen neu denken

Der Zeitraum, während dem wir Einfluss auf unsere Kids und Teens nehmen können, ist begrenzt. Ihre Aufmerksamkeitsfenster sind in einer immer schneller werdenden Gesellschaft und einer reizüberflutenden Umwelt klein. Bildung und Erziehung sollte sich an diese Gegebenheiten anpassen.

Die Forderung danach gibt es schon lange, erste Ansätze existieren, kritischen Denken ist längst als Ziel in den Bildungsplänen festgeschrieben. Dennoch sieht der Schulalltag oft anders aus. Volle Bildungspläne, überfüllte Klassen, unzureichende finanzielle Mittel, schlechte Ausstattung und Unterricht, der den Bedürfnissen heutiger Schüler kaum gerecht wird, sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Schulschließungen während Corona verschärfen die Lage zusätzlich, da die online erteilten Arbeitsaufträge vornehmlich auf Wissenserwerb zielen.

Doch statt Faktenwissen in die Köpfe der Kinder einpflanzen zu wollen, gilt es ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Fakten sind im Internet-Zeitalter immer und überall online abrufbar. Doch wie geht man richtig mit dem Wissen, den Fakten, Ideen und Meinungen, die man dort findet, um? Wie kann Fake von Fakt unterscheiden werden? Wie erkennt man vertrauenswürdige Quellen? Wie hinterfragt man Meinungen, inklusive der eigenen? Wenn wir unseren Kindern das während der Zeit beim Homeschooling vermitteln können, machen wir sie ein Stück weit resistent gegenüber Hetze und Populismus.

Stark gegen Hass und Hetze

Auf drei Fähigkeiten sollten wir dabei besonderes Augenmerk legen:

1. Reflexion

Hasardeure kennen sich in ihrem Weltbild oft sehr gut aus, können vermeintliche Fakten aufzählen und haben die entsprechenden Argumente regelrecht verinnerlicht. In diesem Zusammenhang spielt das, was in der Psychologie als Bestätigungsfehler (Confirmation Bias) bekannt ist, eine entscheidende Rolle. Menschen suchen selektiv nach Informationen, die die eigenen Ansichten bestätigen. Alles, was nicht in das eigene Denken passt, wird abgetan, ignoriert oder umgedeutet.

Reflexion bedeutet demgegenüber, die Realität wahrzunehmen, anstatt sich hinter dem eigenen Weltbild zu verstecken. Dazu gehört, Gesagtes zu hinterfragen und Unterschiede zuzulassen. Es gilt, unsere Heranwachsenden zu irritieren. Konfrontieren wir sie mit konfligierenden Perspektiven und abweichenden Ansichten, sodass sie möglicherweise erkennen, dass nicht nur eine Sicht auf die Welt „wahr“ ist. Erst dann können sie anfangen, aus verschiedenen Perspektiven sorgfältig zu wählen.

2. Selbst-Reflexion

Reflexion bedeutet Nach-Denken. Selbst-Reflexion bedeutet, eigenes Denken und Handeln zu hinterfragen, zu überprüfen, ob beides in Einklang miteinander steht. Ein gefühltes Unwohlsein oder das sich meldende Gewissen sind gute Hinweisgeber. Hinterfrag man sein Tun gewohnheitsmäßig selber, gelingt es, versteckte Vorurteile, Fehler, Automatismen, unbewusste Triebkräfte und Dissonanzen aufzudecken. In der Folge führt das zu einer begründeten Verhaltensänderung.

Unreflektierte Zeitgenossen hingegen würden die Selbst-Annahme „Ich bin fair“ gleichzeitig als Beweis für deren Richtigkeit nehmen. Sie beobachten nicht, ob und wann sie sich ggf. „unfair“ verhalten. Daher gilt es, unserer Jugend im Hinterfragen zu schulen – entweder aktiv oder passiv, durch Vorleben. Kinder beobachten das Verhalten ihrer Bezugspersonen genau. Sie nehmen Unstimmigkeiten wahr. Deshalb profitieren sie auch besonders, wenn diese Fehler zugeben und kommunizieren.

3. Kritisches Denken

Hasardeure können durchaus sehr kritisch mit der Meinung Andersdenkender umgehen. Sie wissen, wie sie Angriffe auf ihr Selbst- und Weltbild abwehren und sind dabei rhetorisch teils sehr bewandert. Sie halten sich selbst für „kritische Denker“, ohne jedoch ihr eigenes Tun zu hinterfragen.

Echtes kritisches Denken besteht hingegen nicht nur darin, die eigene Ansicht zu überprüfen, also selbst-reflexiv zu sein. Es geht noch einen Schritt weiter, indem es aktiv nach guten, plausiblen Argumenten für die Gegenseite sucht. Dies kann durch einen bewusst durchgeführten Perspektivwechsel geschehen. Fragen, wie: „Welche Argumente könnten für die Gegenseite sprechen?“ oder: „Finde ich berechtigte Kritikpunkte an meiner eigenen Haltung?“, können hierbei helfen. Reflexion und Selbst-Reflexion bieten die Basis.

Nutzen wir also die Zeit, in der wir unsere Kinder zu Hause unterrichten sinnvoll! Ebnen wir ihnen den Weg, zu selbst-bewussten, glücklichen Menschen zu reifen.

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